12 Jahre später: Werden lokale Doorway-Pages noch genutzt?

von Über den Otter...

Das Örtliche, Gelbe Seiten oder Das Telefonbuch – wer vor 12 Jahren einen lokalen Dienstleister gesucht hat, wurde hier fündig. Mittlerweile führt der erste Schritt oft über die Google-Suche. Fast die Hälfte aller weltweiten Suchanfragen (46%) haben einen lokalen Bezug [1].

Stellen Sie sich jetzt vor, Sie sind Friseur in der Kleinstadt Hattingen im Ruhrgebiet (etwa 55.000 Einwohner). Um das Geschäft anzukurbeln, möchten Sie mehr in SEO investieren. Da wäre es doch klasse nicht nur für „Friseur Hattingen“ gefunden zu werden, sondern auch Landingpages für andere Städte in der Umgebung zu erstellen:

Keywordmonatliches SuchvolumenEntfernung (in km)
Friseur Bochum5.45911
Friseur Witten1.11915
Friseur Herne1.74321
Friseur Gelsenkirchen1.94025
Friseur Essen5.16726
Friseur Dortmund8.08130
Friseur Mülheim94735
Mögliche Keywords für unseren fiktiven Friseur aus Hattingen in NRW.


Sie gehören schließlich zu den besten Friseuren im Umkreis und befinden sich auch nur einen Steinwurf entfernt. Zwar nicht in der Großstadt Bochum, sondern im beschaulichen Hattingen. Aber das sollte doch wohl kein Problem sein, oder?


Was sind Doorway-Pages?

Doorway Pages – oder auch Brückenseiten genannt – bieten dem Nutzer keinen Mehrwert und sind ausschließlich für die Suchmaschine optimiert. Sie sollen als Zwischenseiten fungieren und den Nutzer anschließend per Klick oder automatischer Weiterleitung auf eine andere Zielseite führen.

Es gibt viele verschiedene Arten von Doorway Pages. Häufig handelt es sich um überoptimierte Seiten mit langen Textwülsten, deren einziges Ziel es ist, für bestimmte Keywords gefunden zu werden. Selbst wenn die Brückenseiten relevante Informationen enthalten, sind diese oft von der eigentlichen Website abgekupfert.

Doorway-Pages: Eingang zur eigentlichen Website.

In der Vergangenheit wurden Brückenseiten vor allem von Flash- und JavaScript-basierten Webseiten genutzt. Im Gegensatz zur eigentlichen Homepage konnten diese Seiten nämlich von Google gelesen und indexiert werden. So wurde der Inhalt doch noch in den Suchmaschinen platziert.

Auch wurden Doorway Pages oft missbräuchlich eingesetzt. Mithilfe von Black-Hat Methoden, wie zum Beispiel Keyword Spamming, wurden Seiten in den Suchergebnissen platziert. Wenn der Nutzer nun auf dieses Ergebnis geklickt hat, wurde er per Weiterleitung auf die Hauptseite geführt. So bekam er die eigentliche Brückenseite nie zu sehen. Sie war nur für die Suchmaschine sichtbar. Diese Vorgehensweise ist auch als Cloaking bekannt.

Brückenseiten gelten als Manipulation und verstoßen gegen die Google Richtlinien. Sie werden nicht nur aus dem Google-Index entfernt, sondern können sogar manuelle Ranking-Abstrafungen nach sich ziehen [2, 3, 4].


Exkurs: Manuelle Abstrafung für BMW aufgrund von Doorway-Pages

Im Jahre 2006 wurde die Website des deutschen Autoherstellers BMW für 4 Tage aus dem Google-Index entfernt. Der Grund hierfür war eine manuelle Abstrafung wegen dem Einsatz von Brückenseiten nach dem Cloaking-Prinzip. Auf der JavaScript basierten Webseite gab es eine Art Sitemap, über die „optimierte“ Brückenseiten bei Google indexiert wurden. Beim Klick auf eines dieser Ergebnisse wurde der Nutzer aber nicht zur eigentlichen Seite weitergeleitet, sondern auf eine andere Zielseite.

BMW erstellte zum Beispiel eine Seite zum Thema „Dienstwagen BMW“. Hierbei handelte es sich um, eine überoptimierte Textseite, auf der das Wort „Dienstwagen“ 36-Mal und das Wort „BMW“ ganze 134-Mal genutzt worden war. Diese Seiten wurden durch die Suchmaschine zwar indexiert, Nutzer bekamen Sie aber nur bei ausgeschaltetem JavaScript zu Gesicht [5].


Gelbe Karte von Google an BMW im Jahre 2006.


Google: Lokale Landingpages & Brückenseiten

Was hat das Ganze jetzt mit unserem Friseur aus Hattingen zu tun, der Keyword-Seiten für die umliegenden Großstädte erstellen möchte? Nun, laut den Google Richtlinien sind Brückenseiten zum Beispiel „mehrere Domainnamen oder Seiten, die auf bestimmte Regionen oder Städte ausgerichtet sind, die Nutzer jedoch alle zur selben Seite weiterleiten“ [6].

Unter einem Artikel von SEORoundTable mit dem Titel „Are City/State Landing Pages Also Doorway Pages? Google Thinks So.“ habe ich folgenden Kommentar aus dem Jahre 2008 gefunden [7]:

„This post bring up a great point, that as the engines have evolved, this type of strategy [i.e. city/state landingpages] used to be effective back in 2005, not so much these days…”.

Kommentar eines Nutzers unter einem Artikel von SEORoundTable zu Doorway-Pages aus dem Jahre 2008


Mittlerweile sind 12 Jahre vergangen. Aber ist es wirklich so, dass sich die Suchmaschinen in dieser Zeit derart weiterentwickelt haben? Lohnt es sich nicht mehr Keyword-Seiten für Städte zu erstellen, an denen man eigentlich gar nicht ansässig ist?


Mini-Experiment: „SEO-Agentur + Lokal“ – Brückenseiten immer noch genutzt?

Die Suchmaschinen haben sich unweigerlich weiterentwickelt. Dennoch scheint es weiterhin möglich zu sein Keyword-Seiten für umliegende Städte zu erstellen und damit gute Rankingpositionen zu erzielen.

SEO-Agentur Bochum

Von den 10 organischen Ergebnissen, die zur Suchanfrage „SEO-Agentur Bochum“ auf der ersten Seite gelistet sind, verfügen nur drei Unternehmen über einen Standort „Tief im Westen“ (Stand: 31.12.20). Sechs der zehn Ergebnisse gehören zu Unternehmen, die gar nicht in Bochum ansässig sind. Eines der Ergebnisse führt zu einem unabhängigen Branchenbuch.

Da stellt sich die Frage: Gibt es keine besseren Ergebnisse? Oder gibt es schlichtweg nur wenige SEO-Agenturen in Bochum?

Auffällig ist, dass Unternehmen ohne Standort in Bochum, grundsätzlich eher auf den hinteren Positionen zu finden sind. Dennoch gelingt es einer Agentur sogar eine Top-3 Position zu ergattern.

SEO-Agentur Gelsenkirchen

Für das Keyword „SEO-Agentur Gelsenkirchen“ findet sich auf Seite 1 bei Google tatsächlich nur eine Agentur mit dem Standort Gelsenkirchen. Gleich 8 der 10 organischen Suchergebnisse führen zu Unternehmen, mit einem Standort in anderen Städten. Ein Ergebnis führt zu einem Übersichtsartikel einer Zeitung.

Bei den Top-3 Positionen fällt auf, dass eines der Unternehmen sogar knapp 100 Kilometer weit von Gelsenkirchen entfernt liegt.

Gelsenkirchen: Eher Zeche als SEO-Agentur?

Analyse der Doorway-Pages aus dem Mini-Experiment

Bereits im Jahr 2015 hat Google angekündigt mithilfe von Algorithmen Doorway Pages zu erkennen und diese mit einem Penalty abzustrafen. Google´s Brian White äußerte sich damals wie folgt [8]:

“Over time, we’ve seen sites try to maximize their “search footprint” without adding clear, unique value. These doorway campaigns manifest themselves as pages on a site, as a number of domains, or a combination thereof. To improve the quality of search results for our users, we’ll soon launch a ranking adjustment to better address these types of pages. Sites with large and well-established doorway campaigns might see a broad impact from this change”.

Brian White, Ex-Google


Dennoch scheinen einige SEO-Agenturen immer noch auf Brückenseiten zu setzen. Gerade bei Suchworten mit geringer Konkurrenz, wie zum Beispiel „SEO-Agentur Gelsenkirchen“, scheint dies auch weiterhin ganz gut zu funktionieren. Entgegen meiner Erwartung wird diese Technik nicht nur von kleinen, unbekannten Agenturen genutzt, sondern auch von bekannten Playern, die in ganz Deutschland aktiv sind.

Die Analyse der gefunden Brückenseiten zeigt, dass sich hierbei keineswegs um Seiten handelt, die dem Nutzer einen Mehrwert bieten. Oberstes Ziel scheint es zu sein, für die entsprechende Keyword-Stadt-Kombination gefunden zu werden. Besonders beliebt bei vielen Agenturen ist der Abschnitt „Suchbegriffe mit Stadtname“. In den meisten Fällen handelt es sich hierbei um eine plumpe Auflistung „relevanter“ Suchbegriffe inklusive dem Suchvolumen. Dabei wird dem „interessierten“ Nutzer alles angeboten: Von „Bibliothek + Stadt“ über „Wohnung + Stadt“ bis zu „Zahnarzt + Stadt“.

Ebenfalls beliebt ist der Einbau von Platzhaltern. So können Sehenswürdigkeiten, Fußballvereine oder Einwohnerzahl je nach Stadt beliebig ausgetauscht werden. Das dabei doppelte Inhalte entstehen, scheint nicht weiter zu kümmern. Schließlich wirkt sich dieser in gewissen Maßen nicht schädlich aufs Ranking aus [9]. 

Provokante Thesen zu lokalen Brückenseiten

Selbstverständlich handelt es sich bei diesem Experiment nur um eine kleine Stichprobe, auf Basis derer natürlich keine allgemeingültigen Aussagen zu lokalen Doorway-Pages getroffen werden können. Logischerweise ist die Effektivität dieser Brückenseiten auch stark von der der Branche, der Konkurrenzsituation und dem entsprechenden Keyword abhängig.

Basierend auf dem Mini-Experiment, meinen Beobachtungen aus dem Arbeitsalltag als SEO und der vorhandenen Literatur, probiere ich verschiedene Thesen aufzustellen. Diese sind bewusst provokant und vielleicht auch etwas naiv formuliert, sollen aber die Diskussion anregen. Um mehr über lokale Doorway-Pages zu erfahren, möchte ich die Thesen anschließend mit erfahrenen SEO-Experten diskutieren.

H1: Lokale Doorway-Pages bei Suchanfragen mit geringer Konkurrenz weiterhin effektiv?

Unter einem Artikel von SearchEngineLand aus dem Jahre 2008 hatte ein Nutzer gemutmaßt, dass Suchmaschinen sich weiterentwickelt hätten und lokale Brückenseiten vielleicht im Jahre 2005 effektiv waren, aber heutzutage nicht mehr funktionieren (siehe oben). Das Mini-Experiment hat gezeigt, dass lokale Doorway-Pages zumindest für gewisse Keywords durchaus noch Erfolg haben können und nicht nur von kleineren Agenturen eingesetzt werden, sondern auch von großen Playern. Folglich könnte man folgende Behauptung aufstellen:

H1: „Auch im Jahre 2020 können lokale Brückenseiten für gewisse Suchanfragen mit geringer Konkurrenz weiterhin effektiv sein, auch wenn sie keinen erkennbaren Mehrwert für die Nutzer schaffen, z.B. bei „Keyword-Stadt-Kombinationen“ an denen das Unternehmen gar nicht ansässig ist.“


H2: Lokale Doorway-Pages in kleinen Maßen okay?


Die im Mini-Experiment analysierten Agenturen haben insgesamt nur wenige Doorway-Pages erstellt. In den meisten Fällen handelte es sich um eine kleine zweistellige Zahl.

Etwas extremer war ein Twitter-Nutzer unterwegs, der 2019 insgesamt 1.300 lokale Landingpages erstellen wollte und sich mit diesem Anliegen an John Mueller gewandt hat. John riet ihm von diesem Vorhaben ab und verwies darauf, dass es sich bei den Seiten um Doorway-Pages handele.

Auch Brian White hat in seinem Statement im Jahre 2015 (siehe oben) betont, dass durch den Einsatz der Algorithmen zur Erkennung und Abstrafung von Brückenseiten, Webseiten mit umfangreichen Doorway-Kampagnen stark beeinflusst werden. Basierend auf diesen Beobachtungen und Erkenntnissen, kann folgende Behauptung aufgestellt werden:


H2: „Lokale Doorway-Pages ohne Mehrwert verstoßen zwar gegen die Google-Richtlinien, solange sie aber in kleinen Maßen eingesetzt werden, muss keine algorithmische Abstrafung von Google befürchtet werden.“


Expertenmeinungen zu lokalen Doorway-Pages ohne Mehrwert


Quellen

[1] https://www.socialmediatoday.com/news/12-local-seo-stats-every-business-owner-and-marketer-should-know-in-2019-i/549079/

[2] https://www.mso-digital.de/wiki/doorway-pages/

[3] https://de.ryte.com/wiki/Doorway_Pages

[4] https://www.evergreenmedia.at/glossar/doorway-pages/

[5] https://www.netprofit.de/blog/bmw-suchmaschinen-problem.html

[6] https://developers.google.com/search/docs/advanced/guidelines/doorway-pages?hl=de

[7] https://www.seroundtable.com/archives/017725.html

[8] https://searchengineland.com/google-to-launch-new-doorway-page-penalty-algorithm-216974

[9] https://neilpatel.com/blog/myths-about-duplicate-content/

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